4. Aug, 2015

Schützenkönig von Neuss, Markus I - Markus Reipen: Ein Königsjahr mit Herz und Humor

Aus dem TOP Magazin Neuss Nr. 02/2015 - » 06/2015 bis 09/2015

Im Jahr 2000 trat er den Scheibenschützen bei. Ebenso spontan fiel seine Entscheidung, Schützenkönig Neuss zu werden. Dass das Königsjahr auf das 600jährige Bestehen des Scheibenschützen fällt, ist ein weiteres Highlight.

Freitags entstand die Idee. Auf dem Scheibenschützenball füllte Markus Reipen bereits das Anmeldeformular aus, und am Dienstag beim Vogelschuss realisierte er erst Minuten später: „Ich bin Schützenkönig!“ Mit ihm freute sich seine Frau Susanne, bei Tochter Julia (17) rollten die Freudentränen und Sohn Marvin (9) verkündete stolz: „Ich bin der Prinz!“

Und dabei war die Konkurrenz groß. Unter den Mitbewerbern auch sein Vater Egon Reipen, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und seinen Sohn unbedingt am Schießstand sehen wollte.

„Eigentlich bin ich kein Mann für die Öffentlichkeit, aber wenn man spürt, wie die Schützen hinter einem stehen, ist das schon ein gigantisches Gefühl!“

Mit Humor und Man-Power

Tanzkurs buchen, Kleider kaufen und Hofstaat organisieren, das alles musste in Rekordzeit erledigt werden. „Da darf man seinen Humor nicht verlieren“, scherzt der Schützenkönig. „Ohne mein Corps im Hintergrund hätten wir das kaum geschafft. Da spürt man deutlich, wie viel Man- Power hinter unserem Verein steckt“, freut sich Reipen.

Und die Chemie mit dem Jacobus-Paar und dem Reitersiegerpaar stimmte auch auf Anhieb. Da waren die Weichen für eine gemeinsame Aktion schnell gestellt:

„Man muss selbst einmal über den Markt gegangen sein, um den Zusammenhalt zu spüren“.

Und damit das in diesem Jahr auch die Bürger erleben, die sonst eher am Rand der Gesellschaft stehen, entschied der Schützenkönig Neuss mit seinen Freunden, ein großes Fest zu organisieren.

Das etwas andere Schützenfest

Gemeinsam mit Reitersieger Axel Hebmüller entstand die Idee, nicht nur von Integration zu sprechen, sondern sie aktiv zu leben: Migranten, Kindergärten und Seniorenstifte wurden angesprochen, die Idee für „Das etwas andere Schützenfest“ war geboren. Inzwischen liegt die Genehmigung der Stadt vor.

Am Sonntag, 16. August, nach dem Königsehrenabend wird der Münsterplatz Schauplatz des ersten, etwas anderem Schützenfestes. „Jedes Corps hat dabei seine eigene Aufgabe“, erklärt der Schützenkönig Markus Reipen. Es wird eine Parade mit Kindern in selbstgebastelten Uniformen geben, die älteren Gäste sollen währenddessen in Zelten mit Kaffee und Kuchen versorgt werden, Lieder singen und Spiele spielen. Von 13 bis 17 Uhr dürfen die Kinder sich auf dem eigens für diesen Tag inszenierten Jahrmarkt vergnügen. Die Kosten werden durch Spenden gedeckt.

Aber nicht nur die Migranten und Senioren sollen von dem neuen Projekt profitieren. „Schließlich haben viele Corps Nachwuchsprobleme, deshalb ist es wichtig, die Schützen der Zukunft, unsere Kinder, jetzt ins Boot zu holen“, so Reipen.

Niemand soll am Rand stehen Oberstes Ziel des Schützenkönigs: „Jede Einladung, die wir erhalten haben, möchten wir auch annehmen, denn jede Veranstaltung, so klein wie sie auch ist, hat ihren besonderen Reiz!“

Verändern möchte er am Neusser Schützenfest eigentlich gar nichts.

„Wenn alles so bleibt, wie es ist, ist es gut so. Schön wäre es aber, wenn wir es schaffen, mehr ältere Menschen daran teilhaben zu lassen. Bei unseren Besuchen im Altenheim haben wir gespürt, mit wie viel Herzblut die Menschen am Schützenfest hängen.“

Deshalb will Markus Reipen auch nach seinem Königsjahr noch dafür sorgen, dass Witwen und ehemalige Schützen nicht nur im Seniorenheim feiern, sondern Möglichkeiten finden, aktiv am Schützenfest teilzunehmen und in den Kreis der fröhlichen Gesellschaft aufgenommen werden. „Niemand soll alleine am Rand stehen oder zuhause bleiben, weil er keinen Anschluss findet.“

Spaß und Sonne über Neuss

Sogar für den Schützenkönig Neuss, Markus Reipen, hat der Tag nur 24 Stunden. „Meine Mitarbeiter nehmen mir eine Menge ab, aber natürlich hängt man viele Stunden Arbeitszeit hinten an“. Auch die zwei Bernersennen-Hunde der Familie wollen während des Königsjahres regelmäßig an die frische Luft. Nur der Motorcross-Sport muss zurzeit hinten anstehen. 2009 war Markus Reipen Deutscher Amateurmeister. „Ich bin mit dem Sport großgeworden, das ist mein persönlicher Ausgleich“, so Markus Reipen, der auf Rennen in ganz Europa gefahren ist.

Sohn Marvin hat er längst mit dem Rennsport-Virus infiziert, während Tochter Julia gemeinsam mit Mutter Susanne ihr eigenes Pferd betreut. „Wir nehmen alles mit, was uns Spaß macht“, so der Schützenkönig. Für das bevorstehende Schützenfest wünscht er sich nur eins: Eine schöne Kirmes und Sonne über Neuss!